"Bonner Runde“: Immer mehr Ebermast

Der Verzicht auf Ferkel-Kastration und damit die Ebermast wird zunehmend Thema in der Schweine-Wirtschaft. In den Niederlanden werden bereits 40 Prozent der männlichen Ferkel nicht mehr kastriert, wurde bei der fünften „Bonner Runde“ deutlich, einer Dialogrunde des deutsch-niederländischen Schweinesektors. Das niederländische Ziel laute, bis 2015 völlig auf die Kastration zu verzichten. In Deutschland werde bis zum Jahr 2017 zumindest ein Verbot der betäubungslosen Kastration angestrebt. Bereits 2010 wurde im Rahmen der Brüsseler Erklärung die Zielsetzung formuliert, bis 2018 europaweit keine Eber mehr zu kastrieren.

Als Alternative etabliert sich zunehmend die Ebermast. Das B. & C. Tönnies Fleischwerk habe bereits 2008 die ersten Mastbetriebe umgestellt: „Vor allem hinsichtlich der betriebsinternen Logistik, der Sicherungssysteme und der erforderlichen, getrennten Chargierung, haben wir wertvolle Erkenntnisse sammeln können“, erläutert Dr. Wilhelm Jaeger, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei B. & C. Tönnies. „Inzwischen schlachten wir eine stetig wachsende Zahl an Ebern.“ Die führenden Unternehmen in beiden Ländern hätten sich bereits darauf verständigt, wie die Geruchskontrolle bei den Eberschlachtkörpern grundsätzlich zu handhaben ist. „Die Rahmenbedingungen für eine ordnungsgemäße Geruchskontrolle sind im QS-System verankert“, so Jaeger.

An diesen Vereinbarungen beteiligt war die niederländische Vion Food Group, die ebenfalls seit geraumer Zeit Eber in größerem Stil schlachtet. Paul Jansen, Direktor Public Affairs im Unternehmen, sprach sich daher am Runden Tisch für eine verstärkte Zusammenarbeit beider Länder aus. „Wir müssen die Herausforderungen der Jungebermast, beispielsweise in Sachen Haltungsmanagement oder Ermittlung von Geruchsabweichlern, gemeinsam angehen. Holländische und deutsche Experten aus den verschiedenen Fachrichtungen sollten ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse austauschen.“   (Juli 2012 jr)   Quelle: NL-Wirtschaftsgruppe für Vieh und Fleisch