Termingeschäfte mit Agrarrohstoffen

Führen Termingeschäfte mit Agrarrohstoffen zu Verteuerungen bei Nahrungsmitteln und damit zu Hunger vor allem bei armen Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern? Während verschiedene NGOs solch einen Zusammenhang vehement aufzeigen und auf ein Verbot solcher Warentermingeschäfte über Indexfonds drängen, gibt es Fachleute im Ernährungssektor, die in diesen Fonds einen eher kleinen, jedoch nicht zu leugnenden Faktor sehen. Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), Halle, hat zusammen mit Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg jetzt ein Diskussionspapier veröffentlicht, das negative Auswirkungen dieser Indexfonds weitgehend in Abrede stellt (PDF-Download).

Dr. Stefan Tangermann, emeritierter Professor für Agrarökonomie der Universität Göttingen und ehemaliger Direktor für internationalen Handel und Landwirtschaft der OECD, Paris, sah das in einem Vortrag auf der Tiefkühltagung 2011nicht ganz so. Darin ging es um die Entwicklung der Verfügbarkeiten und Preise von der Vergangenheit bis heute, und er zeigte die unterschiedlichen Faktoren auf, die darauf einwirken. tk-report zitierte ihn damals: „Die Gründe für die Hausse 2011 beim Weizen seien das Zusammentreffen mehrerer schlechter Ernten bei hohen Energiepreisen und sehr niedrigen Lagerbeständen gewesen. Die darauf folgende Kettenreaktion aus Preiserhöhungen, Panik, Verknappung durch frühere Einkäufe, Panik bei Regierungen, die sich beispielsweise in Exportbeschränkungen niederschlugen, und Spekulationen führten seiner Analyse nach zur Explosion. Jedoch sind für den Agrarökonomen die Spotmärkte kein wesentlicher Faktor für die Krise, ebenso wenig wie die Spekulationen, die lediglich zu weiteren Schwankungen geführt hätten. Auch die vergrößerte Nachfrage von China und Indien sei nicht der Auslöser, da dort parallel auch die eigene Produktion erhöht worden sei. Ein entscheidender Faktor hingegen seien Biotreibstoffe, deren Anbau und Nachfrage weltweit auf politisches Betreiben hin rasant gestiegen sei. In diesem Segment erwartet der Experte einen weiteren massiven Anstieg.“

Fazit: Ein vielschichtiges Thema, für das es einfache Lösungen wohl kaum gibt und scheinbar auf der Hand liegende Schlussfolgerungen nicht richtig sein müssen, sondern sogar das Gegenteil vom Angestrebten bewirken könnten.   Archivfoto: Brot für die Welt   (Feb. 2013 jr)   Quelle: IAMO, tk-report