Pickenpack: Transfergesellschaft für Lüneburg

Arbeitsplatzerhalt hier, Auflösung dort. Nach der Insolvenz der Pickenpack-Gruppe können alle 170 Arbeitsplätze am Standort Riepe durch den Verkauf an Trident Seafoods erhalten werden (s. tk-18 Bericht), heißt es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters Friedrich von Kaltenborn-Stachau. Für den Lüneburger Standort hingegen ist keine Rettung in Sicht. „Nahezu die gesamte Belegschaft in Lüneburg hat unser Angebot zum Wechsel in eine Transfergesellschaft angenommen“, so von Kaltenborn-Stachau. Bis Ende Juni 2016 werde in Lüneburg noch produziert (s. tk-18 Bericht), im Anschluss erfolgt der Abbau der Produktionsanlagen. Für die Immobilie in Lüneburg (Foto) würden Verhandlungen mit zwei Interessenten geführt, die kurz vor einem Abschluss ständen. Das Schwesterunternehmen Gelmer in Frankreich wurde bereits von Greenland Seafood übernommen (s. tk-18 Bericht).

Die Mitteilung des Insolvenzverwalters im Wortlaut:

Trident Seafoods wird ab Juli 2016 von der insolventen Pickenpack-Gruppe den Standort in Riepe übernehmen. Trident Seafoods (www.tridentseafoods.com) ist eines der größten Fischereiunternehmen der USA mit Sitz in Seattle. Sämtliche Pickenpack-Arbeitsplätze in Riepe können hierdurch erhalten werden. Pickenpack ist einer der drei großen Hersteller in Deutschland für Tiefkühlfisch-Produkte. Formal muss noch die kartellrechtliche Freigabe der Übernahme durch Trident erteilt werden. „Ich bin sehr froh, dass uns durch den Verkauf an Trident Seafoods der Erhalt des Standortes Riepe in einem sehr umkämpften Markt gelungen ist“, so von Kaltenborn-Stachau, der Anfang Dezember 2015 zum vorläufigen Insolvenzverwalter und am 1. März 2016 zum Insolvenzverwalter der vier deutschen Gesellschaften der Pickenpack-Gruppe bestellt wurde.

Zeitlich parallel zum Vertragsschluss mit Trident Seafoods wurde die Betriebseinstellung des Pickenpack-Standorts zum 30. Juni 2016 in Lüneburg beschlossen. Von Kaltenborn-Stachau hierzu: „Die Betriebsschließung in Lüneburg war und ist sehr bitter, aber nicht zu vermeiden. Wir haben gemeinsam mit Geschäftsführung, Betriebsrat, Vertretern der Region und Belegschaft mit allen Kräften dafür gerungen, den Standort zu erhalten. Der Wegfall von rund 400 Arbeitsplätzen in der Region war aber leider in Anbetracht der nachhaltigen Verlustsituation und des mangelnden Investoreninteresses an diesem Standort nicht zu verhindern.“ Nahezu die gesamte Belegschaft in Lüneburg hat das Angebot des Insolvenzverwalters zum Wechsel in eine Transfergesellschaft angenommen. Bis Ende Juni 2016 wird in Lüneburg noch produziert, im Anschluss erfolgt der Abbau der Produktionsanlagen. Für die Immobilie in Lüneburg werden Verhandlungen mit zwei Interessenten geführt, die kurz vor einem Abschluss stehen.

Für die mit der Pickenpack-Gruppe verbundene Gelmer s.a.s. und damit den Produktionsstandort in Frankreich konnte bereits im März 2016 in Abstimmung mit den involvierten Banken und dem in Frankreich eingesetzten Conciliateur eine Sanierungslösung gefunden werden. Gelmer wird von Greenland Seafood aus Wilhelmshaven übernommen.

Insolvenzverwaltung / Berater Pickenpack: BRL, Friedrich von Kaltenborn-Stachau (Insolvenzverwalter); Stefan Denkhaus (Insolvenzrecht und M&A); Friedemann Schade, Dr. Nils Harbeck, Dr. Carsten Siebert, Björn Schwencke, Johann Hunnekuhl, Dr. Inga Penzlin (Insolvenzverwaltung); Dr. Daniela Rossa-Heise, Alexander Oberreit, Teresa Wanner (Arbeitsrecht); Dominik Demisch, Michael Busch (M&A); Andrea Ringle (IP); Victor von dem Bussche (Steuerrecht); Dorthe Severitt, Jörg Siecke (Real Estate).

Kartellrecht Insolvenzverwaltung Pickenpack: Commeo LLP, Dr. Dominique S. Wagener, Christoph Krüger.

Insolvenzrecht, M&A Frankreich: Dentons Paris, Audrey Molina, Gwenaëlle de Girval, Nicolas Theys

Weitere beteiligte Kanzleien: Vertreter Trident: Latham & Watkins, Hamburg, Jörn Kowalewski – Vertreter Bankenpool: DLA Piper, Dr. Dietmar Schulz.   Foto: Pickenpack   (Mai 2016, Autor: Jörg Rüdiger)   Quelle: BRL

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