Der WWF steht weiter zum MSC

„Der Marine Stewardship Council (MSC) ist das beste verfügbare Zertifizierungsprogramm für Seafood“, erklärt die Umweltorganisation WWF in einem Statement. Sie reagiert damit auf Presseberichte, unter anderem in The Times, über ein öffentlich gewordenes internes Schreiben des WWF über die Zertifizierung von Thunfisch-Fischereien im Indischen Ozean. In ihm äußerten die WWF-Autoren die Ansicht, dass es im Indischen Ozean keine Fangkontrollregeln für Thunfisch gebe, wie sie für eine MSC-Zertifizierung notwendig wären. Der Thunfisch werde aber dennoch vom MSC zertifiziert. Unterstellt wurde ein Zusammenhang mit Lizenzgebühren, die der MSC nur bei erfolgreicher Zertifizierung erhalte.

Das in der Presse zitierte Schreiben, das von der Schweizer Fair Fish Organisation auf Facebook veröffentlicht wurde, sei die Entwurfsfassung eines internen Dokumentes, schrieb der WWF jetzt. Es sei nicht als offizieller Ausdruck der WWF-Meinung gedacht noch sei es fair, es als solches zu charakterisieren. Das Dokument sei unangemessen verbreitet worden, spiegele allerdings die kontinuierlichen Herausforderungen bei der Zertifizierung der Thunfisch-Fischerei im Indischen Ozean in den vergangenen fünf Jahren wider. Teile des Schreibens griffen den anhaltenden Dialog des WWF mit dem MSC auf, um eine positive Wendung in der Meeresumwelt zu erreichen und eine Annäherung an eine effektive Bewahrung und Nachhaltigkeit. Der WWF war zusammen mit Unilever Gründer des MSC gewesen.

Der MSC selbst betonte in einem Statement, dass der MSC ein wirkungsvolles und vertrauenswürdiges Zertifizierungsprogramm verfolge, das international anerkannt sei. Die Überprüfung der Standards erfolge durch Dritte. Der MSC habe keine finanziellen Interessen darin und mache keine Gewinne durch die Zertifizierung von Fischereien.

Gerade erst hat der MSC große Teile der neuseeländischen Fischerei auf den Tiefseefisch Orange Roughy als nachhaltig zertifiziert. Dies wurde von mehreren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kritisiert, berichtet Undercurrent News. Bloom, eine der NGOs, meine (hier), die Zertifizierung stelle die Glaubwürdigkeit des MSC in Frage, da diese Fischerei nicht nachhaltig sei. Der MSC steht trotz vereinzelter Kritik zu dieser Zertifizierung. Pat Caleo, für Neuseeland zuständiger MSC-Direktor, äußerte sich in einer Presseerklärung folgendermaßen: „Der MSC hat sich in den vergangenen 20 Jahren darum bemüht, rund um den Globus nachhaltige Fischereien zu identifizieren und zu fördern. Solange die unstrittigen Musterschüler ins Programm kamen, diejenigen bei denen sich schnell alle einig waren, herrschte Zufriedenheit. Doch jetzt, wo wir einerseits immer mehr über nachhaltigen Fischfang wissen, und andererseits immer mehr Händler und Konsumenten Nachhaltigkeit einfordern, wollen auch immer mehr vormals nicht-nachhaltige Fischereien ins MSC Programm kommen. Sie setzen alles daran, besser zu werden, und investieren meist viel Zeit, Energie und auch Geld in ihre Entwicklung. Sie kümmern sich darum, dass ehemals überfischte Bestände sich erholen, sie tragen Sorge dafür, dass ihr negativer Einfluss auf das Ökosystem Meer deutlich abnimmt, und sie arbeiten hart daran, ein effizientes Fischereimanagement aufzubauen und zu implementieren. Wenn sie all dies schaffen, dann können auch Fischereien mit einem vormals schlechten Ruf nachhaltig arbeiten. Wir wollen, dass Fischereien besser werden – und wir sollten anerkennen, wenn sie dies tun. Im Interesse unserer Ozeane.“ Zur vollständigen Pressemitteilung geht es hier.   Foto: zaferkizilkaya/Shutterstock.com (Blauflossenthun-Fang in der Türkei)    (Dezember 2016, Autor: Jörg Rüdiger)

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