Ernährungsminister gegen Veggie-Schnitzel

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (Foto, CSU) will Begriffe wie „Schnitzel“ oder „Wurst“ für fleischfreie Lebensmittel verbieten. Das hat er gegenüber „Bild“ gesagt. Begriffe wie „vegetarische Schnitzel“ oder „vegane Currywurst“ seien „komplett irreführend“ und verunsicherten die Verbraucher. Während die CDU in Niedersachsen, der Hochburg der deutschen Fleischerzeugung, das Aus für „Veggie-Schnitzel“ bereits seit Oktober fordert (siehe unseren Kommentar in tk-report minus 18 11-2016), sieht Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hier kein Problem: „Wenn klar ersichtlich ist, dass es sich um vegane oder vegetarische Lebensmittel handelt, sind die Verbraucher auch in der Lage, diese Produkte einzuordnen“, zitiert ihn die Nordwest-Zeitung. Was wirklich benötigt werde, sei eine klare tierwohlbezogene Kennzeichnung für Fleisch und Wurst. Dadurch könnten Verbraucher, die sich für Fleisch entschieden, wissen, wie die Tiere gehalten wurden.

Während der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Fleischereiverband bereits vehement gegen Begriffsbezeichnungen wie „Schnitzel“ und „Wurst“ bei vegetarischen Produkten zu Felde ziehen, sieht der Bundesverband der Fleischwarenindustrie in Bonn keinen direkten Handlungsbedarf; schließlich gebe es Begriffe wie „Erbswurst“ schon seit fast 150 Jahren. Ob eine Irreführung vorliege, lasse sich nicht pauschal an Begriffen wie „Schnitzel“ oder „Wurst“ festmachen, sondern müsse im Einzelfall entschieden werden, sagte ein Sprecher gegenüber tk-report minus 18. Unternehmen der Fleischwarenindustrie gehören zu den bedeutendsten Produzenten vegetarischer „Schnitzel“ und „Würste“.

Aktuell befasst sich die dem Ernährungsministerium angegliederte Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission mit der Definition vegetarischer Lebensmittel. Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) sieht in den aktuellen Äußerungen des Ernährungsministers eine mögliche Einflussnahme auf die per Definition unabhängige Kommission. „Seit Jahrzehnten verwenden Hersteller Begriffe wie ‘Wurst’ oder ‘Schnitzel’ auch für fleischfreie Produkte“, so der Vebu in einer Stellungnahme. „Es gibt keinerlei Hinweise auf damit in Verbindung stehende Fehlkäufe oder Irreführungen. Im Gegenteil hilft diese Praxis den Verbrauchern bei der selbstbestimmten Auswahl ihrer Lebensmittel. Gerichte bestätigten immer wieder die Zulässigkeit von Fleischbegriffen. Die EU-Kommission hat mehrfach geäußert, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen auf EU-Ebene ausreichend seien, um Irreführung auszuschließen. Erst seitdem der Markt für vegetarische Lebensmittel stark wächst, kritisieren einzelne Interessenverbände die langjährige Praxis mit der Begründung, Verbraucher würden irregeführt.“   Foto: BMEL/phtothek.net/Jörg Sarbach  (Dezember 2016, Autor: Jörg Rüdiger)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.