Foodwatch und das Tierwohl

„Foodwatch stellt neues Label für Tierprodukte vor.“ Unter diesem viel versprechenden Titel lud die Organisation zu einer Pressekonferenz nach Berlin ein, die einen „Gegenentwurf zum geplanten Tierwohl-Siegel von Agrarminister Christian Schmidt“ vorstellen sollte. Wer aufgrund des Titels auf einen konstruktiven Beitrag dazu hoffte, wie das Wohl der Nutztiere denn nun endlich deutlich verbessert werden könnte, wurde enttäuscht. Foodwatch fordert ein verpflichtendes „Tierleid – staatlich geduldet“-Label auf „jenen 80 Prozent der Tierprodukte, bei denen Minister Schmidt in Kauf nehmen möchte, dass die Tiere nicht tierwohlorientiert gehalten würden“. Das war’s dann auch schon – plakativ, aber völlig an den Realitäten des Marktes und der Verbraucher vorbei.

Foodwatch zitiert eine Repräsentativbefragung, nach der 80 Prozent der Befragten der Aussage zustimmten „Mehr Tierschutz sollte für die Tierhalter verbindlich vorgegeben werden, damit alle Nutztiere tiergerecht und gesund gehalten werden.“ Und laut Foodwatch erwartet der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Ministeriums für Produkte mit dem geplanten freiwilligen Tierwohl-Siegel nur 20 Prozent Marktanteil. Den aus diesen Zahlen deutlich werdenden Schluss, dass 75 Prozent derer, die eine Verpflichtung der Landwirte fordern, selber nicht freiwillig durch Kauf von Positiv-Label-Produkten zum Tierwohl beitragen würden, formuliert Foodwatch nicht. Schade, dass auch bei diesem wichtigen Thema mal wieder nur simpel und plakativ kommuniziert wird.

Mehr Tierwohl ist dringend notwendig. Freiwillige staatliche Labels wie auch Bemühungen der „Initiative Tierwohl“ können hoffentlich dazu beitragen, das Leben und Sterben zumindest für einige Nutztiere schon heute zu verbessern. Möglichst schnell muss das, da gebe ich Foodwatch recht, unbedingt für alle Tiere erreicht werden. Aber das geht nur international, denn eine Verpflichtung der Landwirte in Deutschland würde die Fleischerzeugung hierzulande beenden und das Tierleid in Erzeugerländer außerhalb Deutschlands verlagern, die dann das billige Fleisch zu uns liefern. Daher gilt es, verbindliche Richtlinien zum Tierwohl weit über den heutigen Standards auf EU-Ebene festzuschreiben und ihre Einhaltung von jedem Drittland-Erzeuger einzufordern, der in die EU liefert. Bei der Fischhygieneverordnung ging das ja auch. Als Standards könnten dafür vielleicht schon die für das freiwillige staatliche Siegel dienen, denn die hat Foodwatch mit der Forderung, alle anderen Produkte mit einem Tierleid-Logo an den Pranger zu stellen, wohl selbst schon als Basis anerkannt.   Grafik: foodwatch   (Januar 2017, Autor: Jörg Rüdiger)   Quelle: foodwatch

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