Kaum illegaler Fisch im Markt

„Deutsche Verbraucher müssen sich relativ geringe Sorgen machen, dass sie illegal gefangenen Fisch einkaufen.“ Mit dieser Aussage tritt Dr. Keller, Geschäftsführer im Bundesverband Fisch, einem Gutachten der Rechtsanwälte Günther in Hamburg entgegen, das von einer Koalition von Umweltverbänden aus WWF, EJF und Oceana in Auftrag gegeben wurde. Die Rechtsanwälte waren in ihrem Gutachten zur Auffassung gelangt, dass die Kontrolle der so genannten IUU-Fischerei (illegal, unberichtet, unreguliert) durch die damit beauftragte Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) EU-Recht verletze. Weder reiche die Zahl der Kontrolleure aus noch werde entsprechend der EU-Vorgaben kontrolliert.

Das Rechtsgutachten lasse die besonderen Umstände des Fischimports in Deutschland außer Acht, erklärte Dr. Keller gegenüber tk-report minus 18: „Unsere Fischversorgung konzentriert sich auf wenige Länder und wenige Fischarten.“ 55 Prozent aller Fischimporte komme aus den vier Ländern China, Norwegen, USA und Vietnam und 61 Prozent aller Fischimporte beschränkten sich 2015 auf lediglich fünf Fischarten: Alaska-Seelachs (23 %), Lachs (16 %), Hering (10 %), Thunfisch (9 %) und Forelle (3 %). Dabei seien viele Rohwaren mit Nachhaltigkeitszertifikaten versehen, bei denen es eine hohe Kontrolldichte durch die Zertifizierer gebe.

„Das Risiko, dass IUU-Fisch über diese Versorgungswege überhaupt zu uns gelangen kann, ist daher vergleichsweise gering“, meint Dr. Keller. Gerade bei tiefgekühlten Fischfilets müsse nicht jede einzelne Lieferung detailliert überprüft werden. 63 Prozent aller Einfuhren von tiefgekühlten Fischfilets seien Alaska-Seelachs, der von unabhängiger Seite als nachhaltig zertifiziert und durch ständige Audits kontrolliert werde. Hier machten zusätzliche Kontrollen keinen Sinn. Daher komme Deutschland auch mit weniger Kontrolleuren aus als andere Länder, auch wenn diese vielleicht weniger Fisch importierten. Allerdings sei die BLE dabei, Personal für diese Kontrollen aufzustocken.   Foto: Michael Berkemeier   (März 2017, Autor: Jörg Rüdiger)

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