dti: Webinar zum Nutri-Score

Unter dem Titel „Der Nutri-Score – Rechtlicher Status, Berechnung und Praxiserfahrung“ hat das Deutsche Tiefkühl-Institut (dti) ein Webinar für interessierte Unternehmen veranstaltet. Ziel war ein intensiver Austausch mit Experten aus Politik und Praxis, um Unternehmen Hilfestellungen bei der Umsetzung der erweiterten Lebensmittelkennzeichnung zu geben. Für die digitale Konferenz, die am 29. April stattfand, konnte das dti namhafte Referentinnen und Referenten gewinnen, wie Dr. Christoph Meyer (BMEL), Dr. Petra Alina Unland (Dr. Oetker), Dr. Annette Neubert (Nestlé), Dr. Andreas Bosselmann (Bofrost) und Alfred Jansen (Iglo). Ihre zentralen Aussagen fassen wir im Folgenden zusammen: 

Dr. Christoph Meyer, Leiter des Referats 215 – Lebensmittelinformation, Lebensmittelkennzeichnung im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL), erläuterte den Teilnehmern den Status quo der rechtlichen Umsetzung in Deutschland. Im Herbst 2020 soll der Rechtsrahmen für die freiwillige Umsetzung der Lebensmittelkennzeichnung nach den Notifizierungsverfahren in der Europäischen Union und nach der Zustimmung des Bundesrats in Deutschland in Kraft treten. Parallel plant das BMEL eine Informationskampagne zum Nutri-Score, um Verbraucherinnen und Verbraucher über das neue Label aufzuklären. Auch Informationen und Hilfestellungen für Unternehmen bietet das BMEL auf seiner Internetseite an. Im Zuge der deutschen EU-Ratpräsidentschaft im 2. Halbjahr 2020 wird Bundesministerin Klöckner die Diskussion um eine EU-weite erweiterte Nährwertkennzeichnung voranbringen, um einheitliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und Verbraucher zu schaffen sowie den freien und grenzüberschreitenden Warenverkehr zu gewährleisten.

Dr. Petra Alina Unland, Abteilungsleiterin für Internationales Lebensmittelrecht der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG, informierte die Teilnehmer anschaulich über die Umsetzung des Nutri-Score in der Praxis und den rechtlichen Rahmen, der zu beachten ist. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden einerseits von den Usage Regulation des Nutri-Score Markeninhabers und andererseits vom nationalen und europäischen Lebensmittelrechts vorgegeben. Die Lizenzierungsbedingungen der französischen Markeninhaberin Santé publique sind an Umsetzungsfristen gebunden und können nur für alle Produkte einer Hauptmarke beantragt werden.

Über die Möglichkeiten und Herauforderungen des Nutri-Score als Basis für die Refomulierung von Produkten referierte Dr. Annette Neubert, Head of Corporate Nutrition, Health and Welness bei Nestlé Deutschland. Der Nutri-Score kann dazu beitragen, die Reformulierung von Produkten voranzutreiben und ihr Nährwertprofil zu verbessern, um damit einen Beitrag zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu leisten. Die Verbesserung der Rezeptur wird mit der Kennzeichnung auch für den Verbraucher sichtbar.

Dr. Andreas Bosselmann, Leiter Qualitätsmanagement International bei der Bofrost Dienstleistungs GmbH & Co. KG, berichtete über die Erfahrungen von Bofrost bei der Umsetzung des Nutri-Score in Europas größtem TK-Direktvertrieb. Der Nutri-Score hat sich sowohl in der Steuerung der Produktentwicklung und der Verbraucherinformation bewährt. Dennoch sollte weiterhin der Geschmack der Produkte im Vordergrund stehen, um dem Verbraucher eine vielfältige Ernährung zu ermöglichen, in der auch Genusslebensmittel ihren Platz finden.

Einblicke in die Bedeutung des Nutri-Score für die Unternehmenskommunikation gab Alfred Jansen, Head of Corporate, Brand and Sustainability Communication der Iglo GmbH, der den Nutri-Score im kommunikativen Spannungsfeld von Glaubwürdigkeit und Verantwortung darlegte. Neben den rechtlichen Herausforderungen der Umsetzung ist die kommunikative Begleitung eine Chance für jedes Unternehmen, den Verbraucher bei der Lebensmittelauswahl zu unterstützen, Transparenz zu zeigen und mit einer fachlich fundierten Aufklärung über den Nutri-Score Fehlinformationen über das Label von Anfang an entgegenzuwirken.

Das Webinar offenbarte zudem noch zahlreiche Fragen der Unternehmen bei der Berechnung und Lizenzierung der Kennzeichnung, die im Zuge der rechtlichen Umsetzung in Deutschland geklärt werden müssen. Bei geplanten Anpassungen des Nutri-Score sollte die Berechnung vor allem für komplexe Lebensmittel erleichtert werden, die aus diversen Zutaten zusammengesetzt sind. Zudem sollte das Registrierungsverfahren für Unternehmen zukünftig an einer zentralen Stelle in mehreren Sprachen ermöglicht werden, um die Kommunikation und Anwendung insbesondere auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu erleichtern.

Die Tiefkühlbranche ist bei der Einführung des Nutri-Score einer der Vorreiter – das dti wird seine Mitglieder dabei weiter begleiten und kommunikativ unterstützen. Ein Folge-Webinar ist für Anfang September 2020 geplant.   Quelle: dti    (Mai 2020)

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