Viel Kritik an Netflix-Doku „Seaspiracy“

Die Netflix-Dokumentation „Seaspiracy“ über die Überfischung der Meere erntet viel negative Kritik nicht nur aus der Industrie und von Branchenverbänden, sondern auch von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace. „Veganer zu werden kann nicht die einzige Antwort sein“, meint Will McCallum, Head of Oceans bei Greenpeace Großbritannien, „eine derartige Forderung, die ausschließlich auf Veganismus setzt, ignoriert, dass Milliarden Menschen für ihr Überleben von den Meeren abhängig sind.“ Die kürzlich auf Netflix erschienene Doku „Seaspiracy“ fordert u.a., „keinen Fisch mehr zu essen“. In der als Enthüllungsgeschichte angelegten Sendung beleuchtet Filmemacher Ali Tabrizi die Fischindustrie und ihre Wirkung auf die Meere und das Klima.

Auch die gemeinnützige Meeresschutzorganisation Oceana betont, dass der völlig Verzicht auf den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten keine realistische Alternative sei für mehrere hundert Millionen Menschen weltweit, die von der Küstenfischerei lebten und denen dann Armut, Hunger und Mangelernährung drohten.

Das US-amerikanische National Fisheries Institute (NFI), das in der Dokumentation weder erwähnt wird noch von den Filmemachern kontaktiert worden war, bemerkt in Reaktion auf „Seaspiracy“, dass die dort aufgestellte zentrale Behauptung – „2048 gibt es in den Meeren keinen Fisch mehr“ – auf einer vollständig widerlegten „Studie“ aus dem Jahre 2006 beruhe – widerlegt übrigens vom Autoren der Studie selber. Der Aquakultur verbundene Organisationen wie der ASC, die Global Aquaculture Alliance (GAA) oder der Investmentfond Aqua-Spark bemängeln, dass „Seaspiracy“ die Aquakultur als einen Weg, die Meere zu retten, nicht berücksichtigt habe. José Villalón, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Nutreco, kritisiert die Einseitigkeit, Ungenauigkeit und zahlloses jahrzehntealtes Material. Adriana Sanchez von der Iberostar-Gruppe ironisiert das Werk: „Ich kann es gar nicht abwarten, bis plantspiracy und waterspiracy folgen.“

Der Netflix-Beitrag „Seaspiracy“ knüpft an einen 2014 veröffentlichte Dokumentation zur industriellen Viehzucht mit dem Titel „Cowspiracy“ von Kip Andersen, der auch die neue Meeresdokumentation produziert hat. „Seaspiracy“ erfreut sich bei Netflix-Abonnenten großer Beliebtheit, in mehreren Ländern schafft es der Film in die Top-10 der meist gesehenen Netflix-Inhalte. Auf der Web-Plattform Internet Movie Database (imdb) wird „Seaspiracy“ von der Community mit 8,6 von 10 möglichen Sternen bewertet. Quellen: Fischmagazin u.a., Bild: Netflix (April 2021)

10 Comments

Hartmann

Hallo sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ebenfalls die Dokumentation Seaspiracy gesehen. Die in diesem Artikel genannten Thesen sind fälschlich. Es werden in der Doku keines Wegs die anderen nicht-Veganismusbetreffenden Ursachen des Artensterbends und der globalen Erwärmung ausgeschlossen. Es wird nur der Fokus auf die offensichtlichen größten Sünden unserer Zeit in Bezug auf die Umwelt gesetzt. Dennoch wundert es mich nicht, dass gerade Ihr Unternehmen sich so darüber äußert. Sie verdienen nun Ihr Gold und Geld indem Sie tierische Produkte verkaufen. Aber mein Tip für Sie: Damit nicht mehr potentielle Kunden sich von Ihnen abwenden, weil Sie diesen Artikel veröffentlichen ( so wie ich. Ich werde nie ein Produkt Ihres Unternehmens kaufen,): Nehmen Sie einen generellen Stukturellen Wandel in Unternehmen vor, indem Sie z.B. mehr vegane Produkte anbieten, als das Offensichtliche des Offensichtlichen zu leugnen.

Ich hoffe wenigstens, dass ich Sie zum Nachdenken anregen konnte, aber Taten wären lieber gesehen.

Mit freundlichen Grüßen
Hartmann

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Tobias

Klar ist das ein Film und keine wissenschaftliche Abhandlung, aber ich kann die Kritiken hier nicht nachvollziehen…im Gegenteil, dass großen Firmen und Organisationen sich da irgendwie rausreden wollen, zeigt doch nur dass alle in diesem Milliardengeschäft drin stecken.
„der völlig Verzicht auf den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten keine realistische Alternative sei für mehrere hundert Millionen Menschen weltweit, die von der Küstenfischerei lebten und denen dann Armut, Hunger und Mangelernährung drohten.“
-> Für uns in den westlichen Industrienationen ist es aber eben schon eine realistische Alternative und Armut/Hunger usw. gibt es in armen Ländern ja u.a. gerade deswegen weil wir dort alles leerfischen

„Forderung, die ausschließlich auf Veganismus setzt“ -> die Forderung besteht ja nur, weil alle anderen Möglichkeiten aussichtslos scheinen. vegetarisch bzw. den derzeitigen Überkonsum zu reduzieren würde ja schonmal ein Anfang sein

„Investmentfond Aqua-Spark bemängeln, dass „Seaspiracy“ die Aquakultur als einen Weg, die Meere zu retten, nicht berücksichtigt habe. “ -> die haben die Doku wohl nicht gesehen, es werden doch (zwar recht kurz das stimmt) die Vor-und Nachteile von Aquakultur beleuchtet. Im Prinzip ist das auch nichts anderes als das Pendant zur Massentierhaltung an Land.

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Flo

Es ist doch klar, dass angesprochenen Verbände den Film kritisieren. Das ist auch einfacherer als sich selbstreflektiert mit der Thematik auseinanderzusetzen. Die zentrale Botschaft ist auch nicht, dass es bei einem „Weiter so“ 2048 keinen Fisch mehr geben wird, sondern dass die Ozeane unter der Industriellen Fischerei leiden. (Wichtig: industriellen) Und das so stark, dass die Ozeane nicht mehr als natürliche CO² Senke und Hauptsauerstoffproduzenten in dem Maße funktionieren können, wie sie es zur Zeit noch tun.

„Auch die gemeinnützige Meeresschutzorganisation Oceana betont, dass der völlig Verzicht auf den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten keine realistische Alternative sei für mehrere hundert Millionen Menschen weltweit, die von der Küstenfischerei lebten und denen dann Armut, Hunger und Mangelernährung drohten.“ Genau das wurde im Film angesprochen. Durch die Industrielle Fischerei wurden die Bestände so leer gefischt, dass die die den Fisch tatsächlich brauchen auf andere Nahrungsquellen umsteigen müssen/ mussten. (Bsp. Piraten in Somalia) Es wird ja auch aus der Perspektive der reichen Länder erzählt, die für eine gesunde Ernährung keinen Fisch essen müssen. Es gibt noch ein paar weitere Punkte, aber mir ist auch klar, dass ich hier beim Tiefkühlreport bin, aber naja. Frohe Ostern 🙂

PS: In den Header der Website gehört eine Vektorgrafik, dann könnte man auch tatsächlich lesen, was das für ein Fachmagazin ist.

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Daniel

Unfassbar, wie soll auch TK Report objektiv sein..

Auch die gemeinnützige Meeresschutzorganisation Oceana betont, dass der völlig Verzicht auf den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten keine realistische Alternative sei für mehrere hundert Millionen Menschen weltweit, die von der Küstenfischerei lebten und denen dann Armut, Hunger und Mangelernährung drohten.“
Und genau diese Menschen sind durch den globalen Fischgang bedroht und das wird auch in der Dokumentation ausgiebig behandelt.

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Barbar

Super Antwort! Bin auch der Meinung. Die, die ohne Fisch gut leben können, sollen dies tun, und die von Fisch leben, haben dann bessere Chancen zu überleben!

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K. N.

„eine derartige Forderung, die ausschließlich auf Veganismus setzt, ignoriert, dass Milliarden Menschen für ihr Überleben von den Meeren abhängig sind.“

– Ja, das wurde in der Doku erwähnt. Es wurde auch erwähnt, dass völlig fremde Staaten von weit her mit ihren riesigen Fischerbooten alles leerfischen und so den Einheimischen nichts übrig bleibt.

„Der Aquakultur verbundene Organisationen wie der ASC, die Global Aquaculture Alliance (GAA) oder der Investmentfond Aqua-Spark bemängeln, dass „Seaspiracy“ die Aquakultur als einen Weg, die Meere zu retten, nicht berücksichtigt habe.“

Wow, Überraschung. Die Organisationen, die mit Aquakulturen Geld verdienen werden ja wohl kaum was anderes behaupten.
Außerdem ist das ganz bestimmt keine Alternative, wie auch in zahlreichen Dokus inkl. Seaspiracy erwähnt wird: Die Tiere sind krank, es wird sehr viel Antibiotika verwendet.
Der Kot verpestet die Umgebung. Ausgebrochene Tiere verdrängen ihre Artgenossen, aber sind selbst nicht zeugungsfähig.

Was für ein unfassbar schlechter Artikel.

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Kerstin

Klar, dass von dieser Seite solch ein Artikel kommt 😂 wieder eine Bestätigung, solche Unternehmen und ihre Produkte zu meiden.

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Regina

Wie unglaublich einseitig und überflüssig dieser Bericht auf einer Tiefkühlkostseite ist. Es ist Fakt, dass wir mit unserem maßlosen Konsum die Ökosysteme überlasten, wodurch gleichzeitig in anderen Teilen der Welt Hunger und Armut erzeugt werden. Es gibt schlichtweg keine Rechtfertigung dafür. Wann fangen wir endlich an Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen, anstatt immer nur mit Fingern auf den anderen zu zeigen? Nichts anderes macht dieser Artikel.

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Bella

Anstatt die in diesem großartig gemachten Dokumentarfilm enthaltene Kritik mal auf sich und das Unternehmen wirken zu lassen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und vor Allem auch dem wachsenden Wunsch der Endkunden nach weniger Quantität und mehr Nachhaltigkeit gerecht zu werden, wird mit diesem dürftigen und zurecht als einseitige beschriebenen Artikel das Vertrauen in eine tatsächliche Auseinandersetzung und Besserung der Fangmethoden seitens der Hersteller (und damit auch der Großhändler) zerschlagen.
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Der Erhalt einer intakten Umwelt und damit auch der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen sollte noch vor dem Profit einzelner großer Unternehmen liegen! Dass so realitätsfern und ignorant auf all diese aktuellen Themen reagiert wird, legt einem als Verbraucher doch nahe, solche Unternehmen in Zukunft zu boykottieren!

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