Steigende Kosten und Lieferkettenengpässe verzögern Erholung des Exportklimas

Nach einer Erholung 2021 musste die Stimmung der exportierenden Ernährungsindustrie im Jahr 2022 in Anbetracht der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit einen erneuten Dämpfer hinnehmen. Das ergab die anlässlich des 4. Außenwirtschaftsseminars der Agrar- und Ernährungswirtschaft erstellte Gemeinschaftsstudie „BVE-AFC-Exportindikator 2022“ der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der AFC Management Consulting.

Die auf dem Vorjahresniveau stagnierende Einschätzung der Geschäftslage und deutlich pessimistischere Geschäftserwartungen im Lebensmittelexport führten mit einem Minus von 15 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich und einem Saldo von insgesamt 7 Prozentpunkten zu einem deutlichen Rückgang des Exportklimas. Das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019 mit 37 Prozentpunkten wurde so weiterhin verfehlt.

In der Umfrage wurden die Unternehmen außerdem zum Thema „Herausforderungen in internationalen Lieferketten“ befragt, wobei branchenübergreifend 89 Prozent der Hersteller angaben, in den letzten 12 Monaten in ihrer Exportfähigkeit durch Lieferkettenengpässe eingeschränkt worden zu sein. „Geringe Transportkapazitäten“ (26 %), „Rohwarenengpässe“ (25 %) und „Engpässe bei Verpackungsmaterialen“ (22 %) wurden als Hauptursachen identifiziert.

„Die vergangenen Jahre und deren Krisen haben mehr als deutlich gezeigt, dass das über Jahrzehnte funktionierende System der globalen Lieferketten ins Wanken geraten ist. Alle Beteiligten entlang der Food Value Chain müssen sich hinterfragen ob ein ‚weiter so‘ für die Zukunft folgerichtig ist oder ob es an der Zeit ist neue Wege zu gehen. Die Herausforderungen entlang der Lieferketten können nur gemeinsam stufenübergreifend mit allen Stakeholdern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in einem kooperativen Ansatz gelöst werden. Unternehmen der Ernährungsindustrie sollten überprüfen, ob die Single Sourcing Strategien langfristig operabel sind. Die aktuelle Zeitenwende bietet das Momentum Lieferketten zu diversifizieren und so Abhängigkeiten zu reduzieren. Anforderungen an die Produktintegrität und resiliente Lieferketten sollten Teil der Transformation sein, um Lieferkettenengpässe in Zukunft zu minimieren“, empfiehlt Anselm Elles, Managing Partner bei AFC.

Gefragt wurde in der aktuellen Umfrage auch nach den wichtigsten Absatzmärkten der Branche. Die Erwartungen an die EU- und Drittlandsmärkte fielen dabei uneinheitlich aus. In den EU-Märkten verspricht sich die Branche insbesondere vom Export in die Niederlande, Frankreich und Belgien Wachstum. In den Drittlandsmärkten wurden Wachstumserwartungen lediglich für die Schweiz angegeben, während die Hersteller insbesondere in den Länder Russland, China und dem Vereinten Königreich mit sinkenden Absätzen rechnen. Quelle: BVE Bild: Shutterstock (Juni 2022)

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