19.01.2024

„Perspektive der Produzenten fehlt“ - dti kritisiert Ernährungsstrategie

Das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti) zeigt sich von der Ernährungsstrategie der Ampelkoalition enttäuscht – eine Vision für den gesamten Sektor fehle. Das Kabinett hat am Mittwoch unter dem Titel „Gutes Essen für Deutschland“ seine Ernährungsstrategie verabschiedet, die zuvor das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seit 2022 federführend für die Bundesregierung erarbeitet hatte.

Ziel sei es, das deutsche Ernährungssystem gesundheitsfördernder, pflanzenbetonter und nachhaltiger zu machen: „Bis 2050 ist es für alle Menschen in Deutschland möglich und einfach, sich gut zu ernähren“, heißt es in dem 69-seitigen Papier. Das Deutsche Tiefkühlinstitut e. V. (dti) hat die Erarbeitung der Ernährungsstrategie intensiv begleitet und am Stakeholderprozess des BMEL dazu teilgenommen.

„Die lang erwartete Ernährungsstrategie der Bundesregierung, die nun vorliegt, enttäuscht“, kommentiert dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner für die Tiefkühlwirtschaft das vorgestellte Papier. „Schon jetzt können sich in unserem Land alle Menschen gesund, ausgewogen und nachhaltig ernähren. Unsere Ernährungswirtschaft bietet eine unglaubliche Vielfalt an Lebensmitteln an, für jeden Geschmack, jede Vorliebe, jeden individuellen Ernährungsstil, qualitativ hochwertig und absolut sicher.“ Die Bundesregierung beziehe die Perspektive der Produzenten nicht mit ein, lautet ein zentraler Vorwurf, das dti hätte sich eine „überzeugende ernährungspolitische Strategie für die gesamte Wertschöpfungskette“ gewünscht.

Eichner weiter: „Der Ernährungssektor ist systemrelevant und muss wettbewerbsfähig sein. Davon entfernen wir uns immer mehr, vor allem durch die Flut an Regulierung und Bürokratie sowie die hohen Energiekosten. Zu all dem bleibt die Ernährungsstrategie Antworten schuldig. Die Kernfrage bleibt: Wie trägt die Bundesregierung dazu bei, dass unsere Unternehmen weiterhin erfolgreich hochwertige, nachhaltige, sichere und vor allem bezahlbare Lebensmittel produzieren können?“

Das dti begrüßt dagegen die Aussagen, die Ernährungsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in der Gemeinschaftsverpflegung bis 2030 verbindlich zu machen. Die Möglichkeiten des Bundes seien hier jedoch begrenzt, vor allem wenn man kein Budget investieren wolle. „Auch die EU-weite verbindliche Einführung des Nutri-Score haben wir stets gefordert, ein Konsens für ein europaweites Label ist aber weiter nicht in Sicht“, so Eichner weiter. „Wir freuen uns, dass das BMEL das Thema Nachhaltigkeitskennzeichnung nur auf EU-Ebene angehen will und erst klare Methodiken und Datengrundlagen einfordert – hier haben wir stets vor nationalen Alleingängen gewarnt.“

Verpflichtende Herkunftskennzeichnungen, wie im Papier gefordert, noch dazu womöglich auf nationaler Ebene, lehnt die Tiefkühlwirtschaft weiterhin ab: „Die Beurteilung von Lebensmitteln darf in Zeiten internationaler Lieferketten nicht an der Herkunft ihrer Rohstoffe festgemacht werden, sondern an ihrer Qualität und Sicherheit", so dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner.
„Perspektive der Produzenten fehlt“ - dti kritisiert Ernährungsstrategie
Foto/Grafik: dti
dti-Geschäftsführerin Dr. Sabine Eichner hätte sich von der Bundesregierung mehr „Wumms“ für die Ernährungswirtschaft gewünscht.
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