03.02.2026

DGE ordnet neue US-Ernährungspyramide ein

„Make America healthy again“ – die US-Ernährungspyramide wurde inhaltlich und optisch auf den Kopf gestellt. Der Chef des US-Gesundheitsministeriums (HHS), Robert F. Kennedy jr., hat im Kampf gegen Übergewicht die am meisten empfohlenen Lebensmittel nach oben auf die breite Basis gestellt und die am wenigsten empfohlenen nach unten in die Spitze verbannt. Im wesentlichen wurde die umgekehrte Pyramide laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) in drei Gruppen eingeteilt:

- Protein (Fleisch, Fisch), Milchprodukte und gesunde Fette (breite Basis, höchste Empfehlung)
- Gemüse und Obst (je nach Sorte über die ganze Pyramide verteilt)
- Vollkorngetreide (Spitze, geringste Empfehlung)

Ergänzt wird die neue Pyramide durch acht zentrale Botschaften mit weiterführenden Empfehlungen sowie kurze Hinweise für verschiedene Bevölkerungsgruppen, darunter Kinder und Jugendliche, Schwangere und Stillende, Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Personen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Eine Kernbotschaft lautet „eat real food“, also möglichst unverarbeitete und naturbelassene Lebensmittel zu essen.

Parlallen und Unterschiede zu den DGE-Ernährungsempfehlungen


Bei den amerikanischen Ernährungsbotschaften gibt es Parallelen zu den DGE-Empfehlungen für Deutschland: Die Fokus-Botschaft liegt in beiden Ländern auf der Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, ungesüßten Getränken wie Wasser sowie der Empfehlung, Zucker und alkoholische Getränke zu begrenzen sowie Über- als auch Untergewicht zu vermeiden.

Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Bewertung der Proteinzufuhr. Die neuen U.S.-Empfehlungen setzen mit einer Proteinzufuhr von 1,2 – 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag einen neuen Schwerpunkt. Dieser Wert liegt deutlich über dem DGE/ÖGE-Referenzwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, der für gesunde Erwachsene unter 65 Jahre in Deutschland als bedarfsdeckend gilt. Fleisch nimmt laut DGE in der Gruppe „Protein, Milchprodukte und gesunde Fette“ einen zu hohen Stellenwert ein. Auch die Platzierung der Lebensmittelgruppe Kohlenhydrate mit Vollkornprodukten suggeriert in der in der Pyramide durch das vergleichsweise kleine Segment eine geringere Bedeutung.

DGE-Leitlinie zur Proteinzufuhr

Die DGE bemängelt zudem den Prozess der Ableitung der Empfehlungen. So würde im Gegensatz zu Deutschland die Evidenzbasierung aus den wissenschaftlichen Grundlagen, im Vergleich zum bisherigen Vorgehen, als deutlich weniger transparent erscheinen. Das scheint die American Society for Nutrition, die amerikanische Fachgesellschaft für Ernährung, ähnlich zu sehen: „There is a lack of transparency regarding the methods, approaches, and objectives of the newly introduced scientific reviews and the timeframe in which they were completed”.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kritisiert außerdem, dass in vielen europäischen Ländern zunehmend Synergien zwischen gesundheitsfördernder und ökologisch nachhaltiger Ernährung in den nationalen Ernährungsempfehlungen verankert würden – es sei nicht erkennbar, dass Aspekte der Nachhaltigkeit systematisch in die Ableitung der amerikanischen Ernährungsempfehlungen eingeflossen wären.

Insgesamt sollen die Reaktionen von Ernährungswissenschaftlern und Gesundheitsexperten gemischt ausgefallen sein: Die Empfehlung, Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel zu reduzieren, wurde positiv aufgenommen, der Fokus auf tierisches Eiweiß aber deutlich kritischer. Alle fünf Jahre veröffentlicht die US-Regierung neue Empfehlungen für die Ernährung.

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