02.06.2026

dti veröffentlicht Branchenporträt der Tiefkühlwirtschaft

Die Tiefkühlbranche als Wirtschaftszweig medial und politisch sichtbarer zu machen – das ist die Intention der neuen Studie „-18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland“, die das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti) bei der AFC Consulting Group in Auftrag gegeben hat. Es soll dazu beitragen, eine Lücke in der amtlichen Wirtschaftsstatistik zu schließen, die die Tiefkühlwirtschaft bisher nicht als eigenständige Branche erfasst. Das Branchenporträt erscheint im Jubiläumsjahr des Verband, der am 6. Juni 2026 seinen 70. Geburtstag feiert.

„Die Tiefkühlwirtschaft ist in nahezu jedem Haushalt und in unzähligen Profiküchen präsent. Sie ist ein eigenständiger, investitionsstarker, innovativer Lebensmittelzweig“, sagt Simon Morris, dti-Vorstandsvorsitzender. „Das Branchenporträt macht sichtbar, wie stark die Tiefkühlwirtschaft heute in Handel, Heimdiensten und der Außer-Haus-Verpflegung vertreten ist – und welchen wichtigen Beitrag sie für Versorgung, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit leistet.“

Teil der Top 4 in der Ernährungsindustrie


Die Studie unterstreicht das wirtschaftliche Gewicht der Tiefkühlwirtschaft und zeigt sie als Wachstumsbranche im Markt. Als eigenständige Branche gehört sie zu den vier größten Zweigen der Ernährungsindustrie und ist wichtiger Partner von Landwirtschaft, Handel und Gastronomie.

Zwischen 2015 und 2024 stieg der nominale Inlandsumsatz der Branche um rund 70 Prozent von 13,3 auf 22,6 Milliarden Euro. Die Absatzmengen erhöhten sich von 3,5 auf 4,1 Millionen Tonnen (+17 Prozent). Preisbereinigt legte der Umsatz deutlich zu: real von 14,6 auf 17,0 Milliarden Euro (+16,6 Prozent). Das Wachstum ist also vor allem mengengetrieben. Die Ernährungsindustrie wuchs im gleichen Zeitraum zwar nominal, real musste sie jedoch einen Verlust von 10,2 Prozent hinnehmen. Die Tiefkühlwirtschaft konnte ihren Anteil am Inlandsumsatz nach eigenen Berechnungen von rund 12 Prozent (2015) auf gut 15 Prozent (2024) ausbauen.

Großbetriebliche Strukturen prägen die Tiefkühlwirtschaft


Zu den zentralen Ergebnissen der Studie zählt, dass die Tiefkühlwirtschaft aufgrund ihrer Technologieintensität von größeren betrieblichen und kapitalintensiveren Strukturen geprägt ist: Hohe Investitionen in Anlagen erfordern eine entsprechende Auslastung, um Skaleneffekte zu realisieren. Rund 44,8 Prozent der TK-Unternehmen haben mehr als 250 Beschäftigte. Weitere 32,7 Prozent sind mittelständische Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten. In der Ernährungsindustrie dominieren dagegen kleinere Strukturen: 55,2 Prozent der Betriebe haben zehn bis 50 Beschäftigte, und nur rund 9,8 Prozent erreichen die Größenklasse ab 250 Beschäftigten. Die Analyse der TK-Unternehmen zeichnet das Bild eines Sektors, der fest im Mittelstand verankert ist, zugleich aber eine hohe Konzentration und internationale Verflechtung aufweist. Zusammen beschäftigt die Branche rund 150.000 Mitarbeiter.

Familienunternehmen als Rückgrat der Branche


Ihre Stärke zieht die Tiefkühlwirtschaft aus der Vielfalt und einer gesunden Wirtschaftsstruktur: Ihr Rückgrat bilden traditionsreiche Familienunternehmen, zusammen mit international aufgestellten Konzernen und vielen mittelständischen, regional verankerten Unternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen ist in Familienbesitz (44,6 Prozent). Diese langfristig geprägte Unternehmenskultur steht für hohe Identifikation mit Produkt und Standort und spiegelt sich auch in einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsengagement wider: Nachhaltigkeit, insbesondere der Klimaschutz, ist eine wichtige strategische Säule der Tiefkühlwirtschaft. Das Engagement folgt einem ganzheitlichen Ansatz – von Energieerzeugung und -effizienz über die Gestaltung der Lieferketten bis hin zu Verpackungslösungen und sozialen Aspekten.

Investitionen, Innovation und Transformation – strategische Herausforderungen


Das Branchenporträt beschreibt die Tiefkühlwirtschaft als kapital- und technologieintensiven Sektor, der für die Zukunft gut aufgestellt ist. Dennoch spielt der Faktor Mensch auch in hochautomatisierten Werken die wichtigste Rolle. Als Innovationstreiber investiert die Branche gezielt und mit hohem Kapitaleinsatz in Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die Investitionen bewegen sich dabei häufig im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich.

Zugleich steht die Branche vor strategischen Herausforderungen: Rohstoff- und Energiepreisvolatilität, veränderte Konsummuster, die Umsetzung der digitalen und nachhaltigen Transformation, wachsende regulatorische Komplexität und der Fachkräftemangel prägen strategische Entscheidungen.

Politischer Rahmen: Energie und Wettbewerbsfähigkeit sichern


Damit die Tiefkühlwirtschaft auch weiterhin ihre wichtige Rolle für die Lebensmittelversorgung erfüllen kann, fordert das dti wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die die Produktivität und Transformation verbessern: „Planungs- und Rechtssicherheit für Investitionen, praxistaugliche Regulierung und weniger Bürokratie, bezahlbare und sichere Energie mit konsequentem Ausbau der Erneuerbaren sowie offene, internationale Marktzugänge für Import und Export sind Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen der Tiefkühlwirtschaft ihre Rolle für eine verlässliche Versorgung weiter ausüben können“, sagt dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner.

Methodik: Datenerhebung und Experteninterviews


Das Branchenporträt kombiniert einen zweistufigen Ansatz: Quantitativ wurden 186 TK-Unternehmen aus Herstellung und Handel auf Basis einer Unternehmensdatenbank aggregiert und anonymisiert ausgewertet, ergänzt durch lange Zeitreihen der dti-Absatzstatistik sowie HS-Code-Außenhandelsauswertungen zur internationalen Beschaffung, durchgeführt durch HGS Research. Qualitativ flossen fünf strukturierte Experteninterviews (Retail, Außer-Haus-Markt, Supply Chain, Nachhaltigkeit, Kältetechnik) ein, um die Ergebnisse zu kontextualisieren und Praxistrends abzuleiten.

Maximilian Waltmann, Geschäftsführer AFC Management Consulting: „Unser Ansatz macht die Tiefkühlwirtschaft als zusammenhängenden Wirtschaftsbereich erstmals greifbar – über Unternehmensstrukturen, Märkte und Trends hinweg. Damit liegt eine belastbare Datengrundlage vor, die künftig weiter verfeinert und aktualisiert werden kann.“

Die Broschüre „–18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland. Ein Branchenporträt“ kann auf Anfrage per E-Mail an Nina Kollas (kollas@tiefkuehlkost.de) bezogen werden. Den dti-Mitgliedern wird die Studie auf der Tiefkühltagung am 9. Juni in Berlin vorgestellt.

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