16.07.2026
Studie: Nudging steigert Absatz von Tierwohl-Produkten

Foto/Grafik: ILR/Uni Bonn
Auf einem Plakat am Eingang des virtuellen Supermarkts wiesen die Forscherinnen darauf hin, dass sich immer mehr Menschen für Produkte mit höheren Tierwohlstandards entscheiden.
Sanfte Kaufanreize – sogenannte „Nudges“ – können Verbraucherinnen und Verbraucher effektiv zu Lebensmitteln mit höheren Tierhaltungsstandards lenken. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bonn, die im Journal of Behavioral and Experimental Economics erschienen ist. Die Forscherinnen testeten zwei unterschiedliche Plakatkampagnen in einem virtuellen Supermarkt und stellten fest, dass sich die Wirkung der Maßnahmen im Einkaufskorb addiert.
Zwei Strategien, doppelte Wirkung
Für die Untersuchung kauften über 850 Testpersonen an ihren heimischen Computern in einer realitätsnahen 3D-Supermarktsimulation ein. Die Wissenschaftlerinnen setzten zwei Plakate ein: Das erste am Eingang wies auf eine soziale Norm hin („Immer mehr Menschen entscheiden sich für mehr Tierwohl“). Das zweite Plakat über den Regalen lieferte grafische Zusatzinformationen zu den einzelnen Stufen des Tierwohl-Labels. Das Ergebnis: Jedes Plakat steigerte bereits für sich den Kauf von Produkten mit besseren Haltungsbedingungen. Am stärksten war der Effekt jedoch, wenn beide Plakate kombiniert wurden – die positiven Wirkungen addierten sich unabhängig voneinander.
Interessant ist, dass die sanften „Schubser“ selbst bei preisbewussten Käufern funktionierten, obwohl Tierwohl-Produkte in der Regel teurer sind. Da es sich um ein virtuelles Experiment ohne realen Bezahlvorgang handelte, müssen Anschlussstudien nun klären, inwieweit sich die Kaufimpulse eins zu eins auf den echten Lebensmitteleinzelhandel übertragen lassen.
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