25.09.2026

Risiko-Studie: Hauptproblem Beschaffungskosten

Die deutsche Ernährungsindustrie hat ihr Risiko- und Krisenmanagement nach den Krisenjahren professionalisiert, sieht sich jedoch weiterhin mit einer angespannten Risikolage konfrontiert. Das zeigt eine Befragung von 330 Branchenverantwortlichen durch die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und die AFC Risk & Crisis Consult GmbH (AFC).

Beschaffungskosten belasten


Die Studienergebnisse belegen eine spürbare Verschiebung der Risiken entlang der Lieferketten. Standen zuvor vor allem Lieferengpässe bei Rohwaren im Fokus, bildet aktuell deren Verteuerung die größte Hürde: 81 Prozent der Befragten melden steigende Beschaffungskosten, während 65 Prozent eine verringerte Rohwarenverfügbarkeit und 57 Prozent verlängerte Lieferzeiten nennen. Auch Risiken bei langfristigen Investitionen, geopolitische Konflikte sowie Cyberangriffe belasten die Betriebe. BVE-Geschäftsführerin Kim Cheng betont in diesem Zusammenhang, dass die Ernährungsindustrie in den vergangenen Jahren zwar ihre Liefer- und Handlungsfähigkeit bewiesen habe, Resilienz jedoch auch wirtschaftliche Stärke und finanzielle Spielräume für nötige Investitionen voraussetze.

Fokus auf Diversifizierung


Auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren die Unternehmen vorrangig mit strukturellen Maßnahmen. 70 Prozent der Befragten setzen auf eine stärkere Diversifizierung ihrer Lieferketten. Zudem passen mehr als die Hälfte ihre Beschaffungsstrategie an und 43 Prozent erhöhen den regionalen Rohwarenbezug. Kurzfristige Reaktionen wie das Aufbauen von Lagerbeständen oder das Zurückziehen aus einzelnen Bezugsländern verlieren hingegen an Bedeutung.

Ausbau beim Resilienzmanagement


Im klassischen Krisenmanagement sind die Betriebe bereits gut aufgestellt: 97 Prozent geben an, auf Produktkrisen vorbereitet zu sein, und 81 Prozent auf betriebliche Krisen. Bei Reputationskrisen liegt der Wert jedoch erst bei 50 Prozent. Ein umfassendes betriebliches Resilienzmanagementsystem haben bislang erst 20 Prozent der befragten Unternehmen implementiert. Zunehmend rücken organisatorische Faktoren wie Führungskultur, Veränderungsmanagement sowie der Informations- und Erfahrungsaustausch als kritische Schwachstellen in den Fokus. Lena Meinders, Geschäftsführerin der AFC Risk & Crisis Consult GmbH, verweist darauf, dass Business Continuity Management als verbindendes Element zwischen Risiko-, Krisen- und Resilienzmanagement verstanden und praktisch gelebt werden müsse.

Investitionen in IT-Sicherheit


Deutliche Fortschritte verzeichnet die Untersuchung im Bereich der Cybersicherheit. Mittlerweile investieren 88 Prozent der Betriebe gezielt in IT-Systeme und Netzwerksicherheit. Zudem nutzen 84 Prozent mehrstufige Datensicherungen und 81 Prozent schulen die verantwortlichen Mitarbeiter. Zwei Drittel der Unternehmen haben bereits ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) eingerichtet. Damit wurden die Schutzmaßnahmen in allen abgefragten IT-Bereichen gegenüber 2024 ausgebaut.

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